Arnsberg. Das Arnsberger Gesangsensemble „akzente“ bewies in der Auferstehungskirche seine Wandlungsfähigkeit und zeigte ganz neue Seiten.

Wer die Auftritte der Arnsberger A-capella-Gruppe „akzente“ in den letzten Jahren mit ihrer modernen, unterhaltsamen und instrumentenfreien Musikalität erlebte und sich an ihren Clownerien erfreute, konnte in der Auferstehungskirche nur über die Wandlungsfähigkeit dieser sechs jungen Sänger staunen. Sie nahmen die Gäste der voll besetzten Kirche mit auf eine musikalische Zeitreise von den Anfängen sakraler Gesänge bis in die Jetztzeit mit dazu passenden Liedern, die zeitgemäß Religiosität und tiefes christliches und menschliches Empfinden ausdrückten.
In der Form des Männerchors, sehr getragen gesungen, diente das Lied „Abendruhe“ der Einstimmung auf dieses äußerst facettenreiche Konzert. „Dieses Stück hat uns zur Ruhe gebracht“, sagte Pfarrer Johannes Böhnke, „nur mit Ruhe vermag man auf Stimmen zu hören, die uns rufen.“ Womit er treffend das Anliegen dieses Konzertes mit dem Dialog von alter und neuzeitlicher, vom christlichen Glauben geprägter Musik umschrieb. Beginnend bei der Romantik mit „Wach auf, mein Herz“ über die Messen von Johann Baptist Singenberger am Anfang des 20. Jahrhunderts mit eindrucksvoll vorgetragenem „Kyrie eleison“ erreichte man über die Gesänge der Renaissance schließlich die Pop-Musik von Billy Joel, Gary Jules oder Phil Collins. Spontan ließ sich das Publikum mitreißen, als ein afrikanischer Gesang das „Gotteslob anderer Kulturen“ erfrischend mit Trommelbegleitung durch die Auferstehungskirche schallen ließ.
So unterschiedlich das Repertoire von seiner Entstehungszeit und seinen Inhalten her auch war, der Stimmungs- und Gefühlsfaden riss nie ab, vielmehr erstaunte sein Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten mit sakral-religiösem Hintergrund ebenso wie die beeindruckende gesangliche Virtuosität der Gruppe.
Trost durch Glauben
In seinen tiefgründigen, nachdenklichen Zwischentexten stellte Pfarrer Johannes Böhnke den Zyklus von 33 Liedern in die zurzeit aktuelle Passionszeit „mit Gedanken, die wir gerne beim Weg zum Kreuz vermeiden, an Leid, Hinfälligkeit und Tod“, Trost findend auch durch die heilende Kraft des Glaubens. Die Gesamtheit der teils stimmgewaltig, teil behutsam getragenen Lieder deckte dies mit überwältigender Ausdruckskraft ab, so dass man Chorleiter Dr. Peter Sölken nur zustimmen konnte, wenn er sagte: „Die Reise in den Himmel nimmt uns die Musik vorweg.“ „Das ist ja der Hit, die können wohl alles“ vernahm man Publikumsstimmen in der Pause bei einem Glas Sekt. Da nur am Ende der Veranstaltung geklatscht werden sollte, entlud sich dann ein aufgestauter Begeisterungs-Applaus. Was mit „Abendruhe“ begann, endete ebenso besinnlich mit „Abendlied“ als Zugabe: ein ungewöhnliches Konzert, dessen Reinerlös dem Förderverein HAWAI der Fröbelschule zugute kommen wird. Wesentlich unterstützt von dem Flair des Innenraums der Auferstehungskirche und den eindringlichen Stimmen der sechs Sänger ohne elektronische Verstärkung erlebte man in der vielfältigen Kulturszene unserer Stadt ein Sahnebonbon. Der ehemalige Leiter des Arnsberger Männerchors, Johannes Böhm, umschrieb dies, als er nach dem Konzert die akzente-Sänger beglückwünschte: „Ein Leckerbissen, den man sich in den Ohren zergehen lassen muss.“
Jochem Ottersbach